Ein Querschnitt durch alle Wettkämpfe von Sara
Mit schönem Wetter wurden wir in Italien empfangen, doch am ersten Wettkampftag war
es dann nass und kalt und zwischen durch richtig stürmisch. Auf dem Programm standen
an diesem ersten Wettkampftag gleich zwei Einsätze. Am Morgen die Quali und am Nachmittag
der Final über die Mitteldistanz. Vom speziellen Gelände konnten wir uns am Tag zuvor beim
Musterlauf ein Bild machen. So waren wir vorbereitet auf eine spezielle Mischung von
schnellen Wiesen, undurchdringbaren dornigen Hecken und Waldstückchen und steinigen
Gebieten auf Wiesen und im Wald.
In der Quali nahm ich mir vor, technisch sauber zu laufen und das Tempo eher zu drosseln.
Das gelang mir relativ gut. Ich hatte am Anfang zwar immer wieder Distanzprobleme, aber
irgendwie konnte ich mich lange ohne grössere Fehler durchmogeln. Bis ich dann den so
einfach aussehenden viertletzten Posten einfach nicht fand. Ich war mir sicher, hinter
der richtigen Hecke zu sein und kreiste dort etwa zwei Minuten, bis ich dann
doch endlich verstand, was nicht stimmen konnte. Tja, da war es mir dann nicht
mehr so wohl und ich drückte bis zum Schluss ziemlich aufs Gaspedal. Nach einem
Jahr ohne Wettkampferfahrung auf diesem Niveau war ich mir meiner Quali nicht
mehr so sicher. Das stellte sich zum Glück als unbegründete Angst heraus….und
ich startete zum Final ziemlich mitten im Feld.
Der Final war zumindest im Schlussteil wieder auf der gleichen Karte. Auch der Rest sah
nicht anders aus. Auf dem Kartenausschnitt mit dem Anfangsteil des Finals sieht man gut
die Schwierigkeit dieses Geländes: man musste sich eine Route um die grünen Flecken herum
suchen, den durch diese hindurch zu kommen war fast unmöglich. (Ich hatte einmal keine
andere Wahl ohne einen zu grossen Umweg zu machen, das führte zu einigen gröberen
Kratzern!!)
Nachdem ich den Anfangsteil zwar nicht sehr schnell aber doch fehlerfrei lief kam
gleich danach auf einem langen Abschnitt zu Posten 7 der grosse Fehler. Ich
hatte dabei noch Glück im Unglück, lief ich doch zu weit links zufällig zu
Posten 8, der ziemlich nahe bei 7 war. So wusste ich zumindest wo ich war und
machte einen Teil der Bahn halt rückwärts. Mit Posten 8 hatten viele andere so
ihre Probleme, ich hatte dann diesen auch beim zweiten Mal auf sicher. Mein
Wieder-Einstand im Weltcup war mit dem 13. Rang ziemlich zufrieden stellend.
Am nächsten Tag liefen wir die Quali für den Sprint. Dieser Wettkampf war ein Mix
zwischen Wald am Anfang, einem relativ langen Übergangsteil bis zum Schlussteil in
einem kleinen italienischen Städtchen mit vielen Gassen und auch vielen Höhenmetern.
Die Knacknuss war aber eindeutig der Startteil.
Auf der Karte sah es ja gar nicht soschwierig aus, es hat ja so viele grosse Felsen
und Steine. Doch in Wirklichkeit sah man kaum einen Unterschied zwischen den riesigen
Felsen und den Steinen und zusätzlich war alles von einem kratzigen Gebüsch überwuchert.
So hatte ich dann keine Chance, mich im grünen zu orientieren. Zusätzlich kamen
die Schwierigkeiten mit der Distanz. Als ich endlich beim Posten stand, waren
wir schon zu dritt, die zwei nach mir gestarteten waren bereits da….Zwei
Minuten waren weg und das in einem Sprint. Nun musste ich im Finaltempo und
nicht mehr nur im Qualitempo weiter. Weil die hinter mir gestartete Ukrainerin
dasselbe vorhatte, waren wir nachher fast nur noch mit Bestzeiten unterwegs und
die Qualifikation für den Final sicherer als geglaubt.
Im Final am nächsten Tag sollte mir das nicht nochmals passieren. Ich nahm mir vor,
den Startteil, der wieder im Wald war, sicher und „langsam“ zu laufen. Doch im Final
war das kleine Städtchen „Cervara di Roma“ viel steiler, kleiner und verwinkelter als
im Quali. So konnte es also kaum anders sein als dass ich diesmal zwar langsam aber
fehlerfrei durch den Waldteil kam, doch wie ich danach den Posten sieben fand….keine
Ahnung, nur eben mit einer viel zu grossen Suchaktion.
Mit einem Routenwahlfehler von 11 zu 12 war es dann endgültig um ein einigermassen
gutes Resultat geschehen.
So war ich sehr froh, dass nun noch die zwei Wettkämpfe im schönen Waldgebiet des Monte
Livata folgten. Ohne Pause ging es nämlich am Tag darauf mit dem Klassischen weiter.
Gestartet wurde inumgekehrter Reihenfolge des Gesamtweltcups. Da ich dort noch kaum Punkte
hatte, startete ich früh und eher in langsameren Läuferinnen drin. Ich fühlte mich
nicht mehr wirklich fit und glaubte nicht so ganz daran, dass mir nun ein guter
Wettkampf gelingen sollte. Mit dem Tipp „Geduld haben“ schickte mich der
Trainer los. Und so lief ich auch, mit einem guten Tempo aber immer mit
Reserven. Technisch lief es fast schon perfekt. Mit den Routenwahlen war ich
mir nicht immer ganz sicher, doch da der Wald so schön war und super belaufbar,
gab es kaum eine gute Alternative zur Strichroute. Bis zum Übergang war ich
alleine unterwegs, dann lief ich aber auf eine Läuferin nach der anderen auf
und auch gleich daran vorbei. Dies motivierte mich zusätzlich und auch wenn ich
am Schluss nicht mehr immer die Routen lief, die ich plante (machte keinen
Höhenmeter zuviel, auch wenn es manchmal sicherer gewesen wäre…) war es ein
super OL-Gefühl.
Technisch lief es fast bis zum Schluss gut. Zum letzten Posten hatte ich kurz ein Blackout
und verstand nichts mehr auf der Karte. Das kostete mich nicht viel Zeit…..leider aber
genau die paar Sekunden, die ich auf die sechste verlor. Beim zweitletzten Posten war ich
noch auf diesem Rang…
Auch ohne Blumen war ich aber sehr zufrieden mit meinem Lauf und dabei vor allem mit meiner
technischen Leistung. Der siebte Rang war ja schliesslich auch mein bisher bestes
Weltcupergebnis.
Zweiter Teil des Klassischen Wettkampfes:

Nach einem Ruhetag liefen wir im gleichen Wald die Staffel. Im zweiten Team lief ich die
Schlussstrecke. Meine Vorläuferinnen schickten mich mit nur knappem Abstand nach vorne und
auch nach hinten auf dem guten fünften Rang ins Rennen. Lange habe ich niemanden gesehen.
Doch nach dem Zuschauerposten kam die Schwedin von hinten immer näher. Sie
folgte mir zum Glück zu meiner Gabelung, hätte sie doch eigentlich die
bessere/kürzere gehabt. So war ich bis zum zweitletzten Posten immer noch knapp
aber doch relativ sicher vorne. Doch den zweitletzten Posten sah ich nicht,
obwohl ich ganz nahe stand. Irgendwie passten die Steine, die die Felsen sein
sollte und der Waldrand nicht zusammen. Als ich mich dann ein paar Meter
bewegte und den Posten keine zehn Meter neben mir sah, war auch die Schwedin
da. So wurde es ein harter Kampf zum letzten Posten. Ich stempelte zuerst und
spurtete los, rettete mich gerade noch knapp zuerst ins Ziel. So landeten wir
als zweites Team auf dem fünften Platz, noch vor vielen ersten Teams anderer
Nationen.
Übrigens: der Kartendruck war bei der Staffel wirklich so viel schlechter, wie es hier
aussieht. Als zusätzliche Erschwernis gab es auch noch eine Karte ohne Nordlinien, Chlöde
liess sich davon aber nicht beirren. Das Wetter spielte ebenfalls mit und brachte genau an
diesem Morgen dichten Nebel. So konnte man die LäuferInnen kaum bis zum
Startpunkt sehen.
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