Sprint- und Mitteldistanzmeisterschaft im Tessin
Die Woche vor diesen zwei Wettkämpfen war alles andere als optimal.
Durch den häufigen Gebrauch des Asthmasprays während der
Nordmeisterschaft meldeten sich als Nebenwirkung meine Waden mehr und
mehr. Für einmal hatte ich nicht nachts Probleme mit Krämpfen, nein,
meine Waden liessen sich etwas neues einfallen. Ab Donnerstag konnte ich
mich bewegen wie und wo ich wollte. Wenn es meiner linken Wade gerade so
passte, "krämpfelte" sie herum. Ich wusste kaum noch, ob ich mich nun
besser gar nicht mehr bewegen soll, trotzdem trainieren oder mit Compex
und Perskindol alles versuchen soll.
So setzte ich mich am Samstag in den Zug und fuhr mit ziemlich kleinen
Erwartungen ins Tessin. Einmal mehr war ich mental gefordert:
läuferische Form vergessen, technisch top laufen war das Motto.
Trotz allem freute ich mich auf den Sprint. Lugano war mir zu weit weg
um ein Reko-Reisli zu machen. Doch als ich vom Bahnhof zum See hinunter
spazierte, konnte ich mir doch ein ungefähres Bild verschaffen von einem
Gelände, dass mir liegt!

Erst nach 18.30 Uhr, als sich die Strassen zum Glück langsam leerten,
startete ich. Zum ersten Posten gleich das erste grosse Fragezeichen in
meinem Kopf. Die Postenbeschreibung war Mauerecke, aber das auf der
Karte war für mich keine Mauerecke. Also nochmals schauen ob es die
richtige Karte ist, ob ich die richtige Postenbeschreibung habe, ja,
alles stimmt. Da in der Stadt alles schnell geht, stand ich schon beim
ersten Posten bis ich alles durchkontrolliert hatte und war dafür nicht
vorbereitet für den nächsten. Doch zum Glück kam keine Routenwahl auf
mich zu. Es war dann bis zum Ende fast das letzte mal, dass ich mit der
Kartenarbeit ins Hintertreffen geriet. Nur noch zu Posten 14 passierte
es nochmals. Diesmal war es schlicht unmöglich beim Treppen hinab rennen
etwas auf der Karte zu sehen. Aber auch zu 15 erwischte ich die
richtigen Gassen. So kam ich mit einem fast perfekten Lauf ins Ziel und
freute mich riesig, dass ich neue Bestzeit aufstellte. Da nur noch zwei
unterwegs waren, hatte ich eine Medaille auf sicher. Mit der
Silbermedaille ging dann der lange Abend mit Dopingkontrolle und
Siegerehrung erst los. Merci Karin, dass du mich dazwischen vor dem
Verhungern gerettet hast und auf mich gewartet hast!
Karte Sprint
Am Sonntag konnte ich dann dank meiner späten Startzeit ausschlafen.
Geweckt wurde ich dann vom Geräusch eines Gewitters. Das waren ja schöne
Aussichten. Doch das Wetter blieb dann zum Glück doch noch trocken bis
am Schluss.
Ich startete für meine Verhältnisse sehr schnell und lief die ersten
Posten ziemlich frech an. Zum 3. Posten rannte ich dann zu weit den Hang
hinunter. Doch vom falschen Posten her sah ich weiter oben meinen
leuchten. Die Hangroute zu vier war unerwartet gut zu belaufen und auch
schnell. Ich holte dort bereits Caroline auf, die vor mir gestartet war,
liess mich dann aber gleich wieder abhänge, weil ich einem Herrentram
folgte, statt selber auf die Karte zu schauen. Tja, bei sieben war ich
wieder vorne und entschied mich prompt für die langsamere Route unten
herum. Ich war soviel langsamer als Caroline, dass ich sie erst bei 10
wieder einholte und ihr zu 11 diesmal auf die Route folgte, ohne
Konzept. Das kam dann wieder nicht gut. Erst beim Zaun wusste ich zum
ersten mal 100% wo ich war und wieder war es nicht die schnellste Route,
da wir zuviel Steigung machten. Bei 12 verstand ich kurz die Welt (oder
doch eher nur die Karte) nicht mehr, bis mir mein Parallelfehler bewusst
wurde.

Auf der längeren Route zu 14 hatte ich diesmal ein Konzept, doch ich
hatte zum zweiten Mal während diesem Lauf die Weglein über der Autobahn
nicht im Griff. So wurde es wieder zu einer Auffangübung, die
glücklicherweise mit einem nur kleinen Zeitverlust aber einem erneuten
Überholmanöver von Caroline endete. Doch der Lauf war noch nicht fertig,
auch zum letzten Posten sollte man nicht einfach den anderen folgen....
Das war alles andere als ein guter Lauf. Die Posten selber waren nicht
das Problem, doch die Routenwahlen....es kam mir vor, als würde ich vor
lauter Höhenkurven die Höhenkurven nicht mehr sehen und nur die Wege
suchen, die ich dann aber im Gelände auch nicht sah!
Das ich damit eine Medaille gewinne war doch sehr überraschend und umso
schöner natürlich.
So reiste ich mit zwei Medaillen und seltsamerweise "geheilten" Waden
aus dem Tessin nach Hause. Die zwei Meisterschaften haben somit also
meinen Beinen und meinem Kopf gut getan. Der Tank mit dem
Selbstvertrauen ist wieder viel mehr gefüllt als noch vor einer Woche
und bei den krampflosen Beinen bleibt es nun hoffentlich für lange Zeit
Karte Mitteldistanz
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